Allein ist man weniger zusammen – oder war es anders herum?

"Ich brauche niemanden, ich bin lieber mein eigener Herr!" Dieser Spruch wird dem einen oder anderen wohl bekannt vorkommen, vielleicht kennt er ihn sogar von sich selbst. Tatsächlich legen Angaben des Statistischen Bundesamtes dar, dass es in Deutschland rund 16 Millionen Singlehaushalte gibt. Beziehungsunfähigkeit scheint in diesem Zusammenhang das beliebteste Schlagwort – doch ist es immer an dem?

Typische Anzeichen für eine Beziehungsunfähigkeit

Wenn eine Beziehung in die Brüche gegangen ist, behaupten manche von sich, beziehungsunfähig zu sein. Dies scheint eine sehr beliebte Schutzbehauptung in der heutigen Zeit, wobei die meisten nicht bedenken, dass Beziehungsunfähigkeit für die wirklich Betroffenen ein ernstzunehmendes Problem darstellt. So sind „beziehungsunfähige“ Menschen meist solche, die Angst haben vor einer festen Bindung. Sie sollten somit nicht immer gleich mit dem Attribut „beziehungsunfähig“ abgestempelt, sondern eher als „bindungsängstlich“ betrachtet werden. Diese Bindungsangst äußerst sich zum Beispiel in häufig wechselnden Partnerschaften oder in der Wahl von unerreichbaren Partnern, nämlich solchen, die bereits verheiratet sind oder weit entfernt wohnen. Ebenso eine gewollte oder ungewollte Distanz zum Partner zu halten, indiziert dieses Problem deutlich und zeugt von einem mangelnden Urvertrauen. Viele sehen sich zudem in einer Beziehung oftmals eingeschränkt und haben Angst, sich selbst aufzugeben.

Bindungsangst häufig in der Kindheit begründet

Für viele Verhaltensweisen, die sich ein Mensch im Laufe seines Lebens aneignet, ist die Kindheitsphase besonders prägend. So spielt für die Bindungsfähigkeit die Mutter-Kind-Beziehung eine wichtige Rolle, ist doch die Mutter in den ersten Lebensmonaten die wichtigste Bezugsperson. War das Verhältnis zur Mutter in den Anfängen zwiespältig, so mündet dies oft im wiederholten Wegstoßen des Partners. Ähnlich verhält es sich vor allem für Frauen mit der Beziehung zum Vater. So sind Frauen, die sich vom Vater ungeliebt fühlen, nicht selten unfähig, die Liebe des Partners anzunehmen aus Angst, diese Zuneigung nicht zu verdienen. Natürlich fällt auch mitunter ins Gewicht, wie Kinder die Beziehung ihrer Eltern wahrnehmen. Streiten sich diese beispielsweise viel oder trennen sich womöglich bereits sehr früh, kann dies ebenfalls dazu führen, dass die Kinder später nur schwer ein enges Verhältnis eingehen können.

Bindungsängste? – Was tun?

Beziehungs- oder Bindungsangst ist eben keine Unfähigkeit, Bindungen einzugehen, somit gibt es durchaus Dinge, die Betroffene dagegen zu tun in der Lage sind. Besonders wichtig hierbei ist, das eigene Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl aufzubauen, denn wer sich selbst als wichtig erachtet, muss sich nicht über einen Partner definieren. Mindestens ebenso entscheidend ist der richtige Umgang mit diesem Problem. Den Partner in die Problembewältigung einzubringen und durch Gespräche gemeinsam Lösungsansätze zu finden, fördert das gegenseitige Vertrauen. Sollte man darüber hinaus die Bindungsangst nicht allein bewältigen können, ist es ratsam, auch professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, damit es irgendwann wieder heißen kann – zusammen ist man weniger allein.